Was jüdisch-orthodoxe, kinderreiche Siedler mit Generalstreiks in Israel zu tun haben sollen

Was religiöse, jüdische, kinderreiche Siedler mit einem Generalstreik wegen Leiharbeit in Israel zu tun haben sollen – weiß noch nichtmal die TAZ. Dennoch, irgendwie sind diese wohl doch an der ungerechten Entlohnungssituation  schuld (wie an so vielem). Wie sonst ist wohl folgendes mediale Arrangement zu verstehen, indem ein Bild mit scheinbar themenfremden Artikel verknüpft wird: Leiharbeiter in Israel: Generalstreik im Heiligen Land

 

Generalstreik im Heiligen Land

„Wer viele Kinder hat, braucht keine Leiharbeiter: orthodoxe Siedler im Westjordanland.“ 

 

Auffällig ist, dass in letzter Zeit einige Artikel, wie dieser hier, über die kleine Gruppe orthodoxer Juden in der deutschen Medienlandschaft erscheinen.  In diesen scheinen kulturelle Eigenarten (orthodoxer Glaube, viele Kinder usw.) mit gesellschaftlichen Konfliktfeldern in Israel (bspw. Streiks o.a. Konflikten ) verquickt. So werden durch Ethnisierungen diese öffentlichen und gesellschaftlich-politischen Konfliktfelder kulturell aufgeladen und die (’natürlich nur legitime‘) kritische Abgrenzung von Juden und dem israelischen Staat an sich wird salonfähig.

Streik, Emanzipation einer [Leih]arbeiterklasse und die Forderung nach gerechter Entlohnung werden hier als Pendant der jüdisch-orthodoxen Lebensweise entgegengestellt – derartige Gesamtaussage entnehme ich diesem Medienarrangement. Dieser ‚Linke‘ oder ‚moderne‘ und versteckte Antisemitismus reiht sich ein in das implizite mediale Israel-Bashing, anhand dem kulturalistischen Aufladen (orthodoxer jüdischer Glaube) genereller Konfliktfelder (Leiharbeit). Es wird implizit vermittelt, dass orthodoxe Juden einer fairen und angemessenen Entlohnung entgegenständen oder unemanzipatorisch wären. Diese besondere Gruppe wird dann durch Kulturalisierungen zum Sündenbock und der Staat Israel durch Verallgemeinerungen diskreditiert. Ein Mechanismus, welcher wiederkehrend auftritt und wunderbar funktioniert. Es entstehen antijüdische Ressentiments, welche ursächlich für vielfältige Rassismen und Antisemitismen  sind. Diese scheinbar ‚emanzipatorische‘ Kritik, ist dann in ihrer Steigerung, als Ressentiment wunderbar in der Kommentarspalte der TAZ nachzulesen:

So weiß der User end.the.occupation zu berichten:

Die entscheidende Frage ist wohl, auf wessen Land die Damen und Herren ihre Baumpflanz-Rituale abhalten. Und wer einmal die abgesägten Baumstümpfe der ehemaligen Olivenhaine zwischen Bethlehem und Ramallah gesehen hat, der sieht Israel und seine Baumpflanz-Aktionen so oder so mit anderen Augen.

Es wird hier also sofort unterstellt, Juden die Bäume an einem Feiertag pflanzten, hätten fremde Olivenheine weggeholzt, fremde Länder okkupiert oder sonstewas.  Gerade einige deutsche „linke Volksgenossen“ werden nicht müde, diese erstaunlichen kommunitären Bewegungen der Siedler allgemein zu diskreditieren und für alles mögliche ‚Nichtemanzipatorische‘ als Sündenbock zu entwerfen – natürlich alles im Mantel legitimer ‚emanzipatorischer‘ Kritik. Die medialen Diskreditierungen des Staates Israel aufgrund der Betonung kultureller Besonderheiten einer Gruppe (der orthodoxen Juden) und die Ethnisierung bzw. das religiöse Aufladen der Konflikte sind die Folgen.

So hätte ich einige Fragen an den Schreiber dieses Artikels.

1. Was soll Kinderreichtum mit Leiharbeit zu tun haben. Ist Kinderreichtum problematisch bei jüdisch-orthodox, gläubigen Siedlerfamilien – wenn ja, warum?

2. Was hat Baumpflanzen mit Leiharbeit zu tun. Ist es problematisch, wenn Juden Bäume an Feiertagen mit Kindern pflanzen – wenn ja, warum?

3. Warum wird das Bild aus dem Zusammenhang gerissen, es bildet eine Gruppe israelischer Kinder an einem Feiertag ab. Was für ein neuer Zusammenhang soll entstehen, indem diese Kinder als Siedlerkinder benannt werden? Warum wurde das Bild in diesen Kontext, bei einem eigentlich themenfremden Artikel verwendet.

In einem weiteren Blog wurde dieser TAZ-Artikel aufgegriffen. Schaust Du : Einfach nur ein Idiot « Letters from Rungholt

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